Ein Zopf kann mehr: Warum Haare spenden Hoffnung schenkt und wie es funktioniert

Es ist oft nur ein Moment vor dem Spiegel. Die Haare sind länger geworden, der Gedanke an einen neuen Haarschnitt liegt in der Luft. Aus genau diesem Moment kann mit der Idee seine Haare zu spenden etwas entstehen, das weit über eine neue Frisur hinausgeht.

27. April 2026 4 Minuten

Vom Haarschnitt zum Hoffnungsträger

TL;DR: Haarspenden helfen anderen Menschen und sind ein Rohstoff, der nachwächst. Immer mehr Menschen entscheiden sich dazu, ihre Haare wachsen zu lassen und später zu spenden. Ein Trend, der nicht nur dem Bundesverband der Zweithaar-Spezialisten e.V. (BVZ) gefällt, denn was für den einen „nur“ ein Haarschnitt ist, kann für andere ein wichtiges Stück Lebensqualität bedeuten.

Wissens-Highlight

Was für die einen „nur“ ein Haarschnitt ist, kann für andere ein wichtiges Stück Lebensqualität bedeuten.
Was für die einen „nur“ ein Haarschnitt ist, kann für andere ein wichtiges Stück Lebensqualität bedeuten.

Bei der Haarspende gibt es viele Unsicherheiten.

Das Thema Haarspende ist für viele Menschen nach wie vor wenig präsent. Kaum jemand wächst mit dem Wissen auf, dass Haare gespendet werden können oder dass der eigene Haarschnitt dafür geeignet sein könnte. Häufig fehlt es nicht an Bereitschaft, sondern an Wissen. Wie funktioniert eine Haarspende? Worauf sollte man achten? Und was geschieht mit den Haaren, nachdem sie abgeschnitten wurden? Eins ist klar: Wer sich bewusst für eine Haarspende entscheidet, braucht vor allem Zeit. Denn Haare spenden beginnt nicht erst auf dem Friseurstuhl, sondern oft Monate oder auch Jahre zuvor. Die Haare werden bewusst wachsen gelassen, mit dem Ziel, sie später weiterzugeben. Andere wiederum entschieden sich, ihre langen Haare abschneiden zu lassen, und denken erst dann über eine Spende nach. Wie auch immer: Damit eine Spende tatsächlich genutzt werden kann, müssen einige grundlegende Voraussetzungen erfüllt sein.

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Haare spenden: Hoffnung schenken mit einem Zopf
Haare spenden: Hoffnung schenken mit einem Zopf

Der Weg der Haarspende: Von der Abgabe bis zur Verarbeitung

Um erfolgreich Haare spenden zu können müssen einige Anforderungen erfüllt sein: Die Haare müssen chemisch unbehandelt sein, das bedeutet, die Haare dürfen nicht gefärbt, getönt oder gesträhnt sein, auch dürfen sie keine Dauerwelle haben. Graue Haare sowie natürlich lockige Strukturen können, wenn die anderen Anforderungen erfüllt sind, ebenfalls problemlos gespendet werden. Entscheidend ist darüber hinaus die Länge: Die abgeschnittenen Haare sollten mindestens 30 Zentimeter im offenen Zustand messen. In Ausnahmefällen können auch etwas kürzere Zöpfe verwendet werden, grundsätzlich gilt jedoch: Je länger, desto besser, da bei der Weiterverarbeitung und dem Knüpfprozess einige Zentimeter verloren gehen. Vor dem Abschneiden sollten die trockenen Haare idealerweise zu einem festen Zopf gebunden werden – oben und unten gut fixiert, damit sie sich nicht verknoten. Für den Versand reicht es, den Zopf in Papier oder Küchenkrepp zu wickeln und in einem Papierumschlag zu verschicken. Auf Plastikverpackungen sollte bewusst verzichtet werden. Was viele überrascht: Für eine hochwertige Echthaar-Zweithaarlösung werden mehrere Haarzöpfe benötigt. Ein einzelner Zopf reicht dafür nicht aus. Erst viele Spenden zusammen bilden die Grundlage für eine sinnvolle Weiterverarbeitung. Umso wichtiger ist jede einzelne Haarspende – unabhängig von Haarstruktur oder Haardicke.

Der Erlös der Versteigerung der Haarspenden kommt gemeinnützigen und sozialen Projekten zugute.
Der Erlös der Versteigerung der Haarspenden kommt gemeinnützigen und sozialen Projekten zugute.

Europäische Haare sind besonders beliebt.

Gut zu wissen: Europäisches Haar ist besonders gefragt, da es in Struktur, Feinheit und Farbnuancen optimal zu den Anforderungen hierzulande passt. Im Gegensatz zu vielen importierten Haaren muss es kaum chemisch behandelt werden, was für ein besonders natürliches Ergebnis und einen hohen Tragekomfort sorgt.

Im Rahmen der Rapunzel-Haarspendenaktion des BVZ werden seit 2009 Haarspenden gesammelt, überwiegend aus Deutschland, aber es gibt auch zahlreiche Spender aus Österreich, Belgien oder der Schweiz. Die eingesandten Zöpfe werden begutachtet, gewogen und sortiert. Einmal im Jahr werden sie in Lots aufgeteilt und unter Echthaar verarbeitenden Unternehmen versteigert. Die Haarspenden des BVZ sind so begehrt, dass auch Bieter aus Neuseeland, der Türkei oder Belgien im letzten Jahr knapp eine halbe Million für die Haarspenden geboten haben. Der Erlös kommt gemeinnützigen und sozialen Projekten zugute: So unterstützt eine Haarspende gleich doppelt.

Transparente Abwicklung für mehr Seriosität

Da es sich beim BVZ um einen eingetragenen Verein handelt, geht es bei der Versteigerung NICHT darum, Gewinn zu machen. Die entstehenden Kosten sind transparent, es werden keine versteckten Zahlungen geleistet, der Verband verdient mit der Versteigerung kein Geld. Das unterscheidet ihn von vielen Aufkäufern von Haarspenden oder auch der ein oder anderen Organisation, die aus den Haarspenden Produkte für den Verkauf fertigt und damit Gewinne erzielt. Jeder, der seine Haare spenden möchte, sollte sich unbedingt im Vorfeld über die Seriosität der Organisation, der er seine Haare zur Verfügung stellt, informieren.

Wohin sende ich meine Haarspende?

Wer spenden möchte, schickt seine Zöpfe anHaarkunst GmbH, Bergstr. 11A, 08237 Steinberg-Wernesgrün. Dort werden die Haare gesichtet, sortiert und für die Versteigerung vorbereitet.

Der BVZ setzt sich neben den Haarspenden auch für die Enttabuisierung von Haarausfall ein, indem sie gezielt über das Thema aufklären.

Für mehr Informationen www.bvz-rapunzel.de

Rapunzel Plakat 2026
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